Die gutenberg beuys feindruckerei ist die preisgekrönte Druckerei aus Hannover
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Aus unserem Kalender 2010 Grobe Menschen drucken feines Zeug - Geschichten aus der Feindruckerei
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Interview

Matthias Hake im Gespräch über die Druckkunst

Im Gespräch gibt Matthias Hake, Geschäftsführer der gutenberg beuys feindruckerei, Auskunft über den Qualitätsanspruch des Betriebes und die treibenden Kräfte hinter dem täglich praktizierten Wahnsinn.

Herr Hake, es liest sich manchmal wie ein Traum. Unsere Druckbranche liegt in einer tiefen Krise und Sie gründen eine völlig neue Druckerei. Diese von Experten unterstellte Selbstmordaktion entpuppt sich nach ein paar Jahren als richtige Erfolgsgeschichte.

Nicht erst nach ein paar Jahren. Vom Start weg hatten wir das Gefühl, überrannt zu werden. Bis jetzt hat sich daran nichts geändert. Ich frage mich manchmal, ob ich irgendwann aufwache und mir tatsächlich offenbar wird, dass es nur ein Traum war.

Warum? Sind Sie so überragend?

(Lacht) Natürlich! Im Ernst: Ich habe wenig Zeit, darüber nachzudenken. Es muss eine Kombination verschiedener Faktoren sein, die in einer glücklichen Fügung zusammengefunden haben. Neben der fachlichen Qualität spielen sicherlich auch persönliche Komponenten und Arbeitsauffassungen sowie ein einfach geiles Team mit rein. Und um ehrlich zu sein: Oftmals beschleicht mich das Gefühl, dass unser Erfolg nicht auf unserer Cleverness, sondern auf der fehlenden Sensibilität unseres Wettbewerbs beruht.

Was ist bei Ihnen anders als beim Wettbewerb?

Vermutlich alles. Genau kann ich es nicht beurteilen, ich stecke bei den anderen nicht drin. Viele Dinge, die wir tun, sind für mich selbstverständlich, und ich würde davon ausgehen, dass die in jeder anderen Druckerei, die mit Sachverstand betrieben wird, genauso gehandhabt werden wie bei uns. Durch die Aussagen vieler unserer Kunden muss ich aber feststellen, dass es offenbar nicht so ist. Das ist schon manchmal haarsträubend. Dann denke ich: „Menschenskinder, muss das sein?” Andererseits ist es eben auch unser Glück.

Was z. B. sind diese Selbstverständlichkeiten?

Ein Faktor ist technische Innovation. Ich merke, dass sich viele Kollegen dieser versperren. Als wir uns gegründet haben, habe ich mich gefragt, wie wir gute Drucksachen herstellen können, was das Machbare ist. Wir haben z. B. entschieden, unseren ganzen Workflow auf die Arbeit im 120er-AM-Raster abzustimmen. Wir haben es probiert, es war machbar, und somit war es klar, dass wir es tun. Diesen Prozess überprüfen wir auch regelmäßig, um zu sehen, ob wir noch auf dem richtigen Weg sind oder ob wir etwas verändern müssen. Dieser Veränderungswille und die ständige Anpassung an das Machbare ist etwas, das uns von vielen Kollegen unterscheidet, die einen eingerichteten Prozess am liebsten beschaulich für 100 Jahre erhalten wollen, ohne zu merken, dass sich die Welt um sie herum verändert.

Sie sind aber nicht die einzige Druckerei, die ein 120er-Raster drucken kann.

Natürlich nicht. Aber wir sind sicher eine der wenigen, die es durchgängig benutzen. Egal, ob es sich um gestrichene Bilderdruck- oder um Offset-Papiere handelt. Wir haben selbst Klopapier im 120er bedruckt und hatten nicht das Gefühl, dass Scheiße drauf war. Bei Offset-Papieren z. B. empfehlen ja die FOGRA oder die Papierhersteller, man solle die Finger von einer Bedruckung in feinen Rasterweiten lassen. Solche Empfehlungen interessieren uns aber nicht. Wenn ich sie lese, denke ich: „Das wollen wir doch mal sehen.” Wir probieren es aus, und siehe da: Es geht.

Diese feinen Raster sind ja aber auch kein Kinderspiel.

Papperlapapp. Wenn jemand eine alte oder schäbige Druckmaschine hat, geht es natürlich nicht. Die modernen Hobel bringen es aber. Und natürlich muss ich ein paar Sachen beachten und anders machen als im 70er. Um aber zu wissen, was ich beachten muss, habe ich schließlich mein Handwerk gelernt. Ein Problem habe ich erst, wenn ich zu faul bin, dieses Wissen auch anzuwenden.

Warum keine höheren Rasterweiten? Die sind immerhin auch machbar.

Eine berechtigte Frage. Feinere Rasterweiten zu fahren stellt für uns kein technisches Problem dar. Mit der Verfeinerung steigt jedoch der Wartungsaufwand unserer Druckmaschinen rasant an, bei einem 240er ist er mindestens doppelt so hoch. Das würde sich massiv auf den Preis auswirken, und das für einen Unterschied, der zwar messbar, für das menschliche Auge aber kaum bis gar nicht wahrnehmbar ist. Wir haben das 120er als derzeit optimale Waage zwischen Qualität und gutem Preis ermittelt.

Wie stehen Sie zu FM-Rastern?

Bei der Abwägung der verschiedenen Eigenschaften sehen wir ein feines AM-Raster noch vorne. Das kann sich aber auch ändern, da die FM-Technologie in den letzten Jahren starke Fortschritte gemacht hat. Interessiert beobachten wir auch die Entwicklung bei XM-Rastern, also der kombinierten AM- und FM-Raster-Belichtung. Grundsätzlich durchlaufen neue Technologien bei uns interne Testläufe, bei denen wir dann entscheiden, ob sie uns einen Qualitätsvorsprung bringen.

Um weiter vorne wieder anzuknüpfen: Drucker sind also zu wenig innovationsfreudig?

Das ist ein Kriterium. Es gibt aber noch viele andere. Vielleicht ist es auch einfach eine persönliche Angelegenheit. Die meisten Menschen begreifen ihren Job – und da spreche ich nicht nur über Druckereien – eben als Job. Auch wenn es abgedroschen klingt: Ich will nicht zur Arbeit gehen und tagtäglich die gleiche Leier spielen. Ich will mich freuen und mich weiterentwickeln und mich an meinem Schaffen ergötzen. Ich will mich immer verbessern. Und dies erwarte ich auch von unseren Mitarbeitern.

Würden Sie sich als Perfektionist begreifen?

(Haut mit der flachen Hand auf den Tisch, schreit) Mensch! Ich bin der Perfektionist in seiner höchsten Vollendung! (wieder ruhig) Ich hole mal aus: Wie die Wissenschaft festgestellt hat, können Frauen lange und befriedigende Orgasmen erleben, während derer sich in ihren Gehirnen ein wahres Feuerwerk abspielt. Bei Männern ist es leider nicht so. So sehr sie dem Sex zugetan sind, können sie dabei nicht die gleiche Befriedigung wie eine Frau erleben. Also brauchen sie Ersatzbefriedigungen. Augenscheinlich bin ich ein Mann und meine Ersatzbefriedigung ist so eine Druckmaschine. Ich muss gestehen, wenn ich so einen Heidelberger Hobel – monumentales Zeugnis feinster Maschinenbaukunst – zu Leistungen reite, die sich nicht mal die Hersteller erträumt haben, dann geht mir einer ab. Wenn ich merke, dass ich die Maschine beherrsche, und nicht sie mich, dann hab ich meinen Mega-Orgasmus, dann flipp ich aus. Das Gleiche passiert, wenn ich ein fertiges Druckwerk in Händen halte und alles sitzt. Da ich diesbezüglich ein unersättliches Schwein bin, will ich dieses Befriedigungsgefühl möglichst oft haben. Und das führt zu Qualität. Eigentlich sehr einfach, oder?

Wie mir scheint, kommen wir dem Erfolgsgeheimnis näher: Es klingt, als hänge es an Ihrer Person und einem augenscheinlichen Wahnsinn, der Sie treibt.

Ja und nein. Ich bin selber Druckermeister, und in aller Bescheidenheit gesprochen auch ein Meisterdrucker. Dadurch habe ich an ein Druckwerk andere Anforderungen, ich bewerte es anders als jemand, der z. B. eine kaufmännische Ausbildung hat.

Aber mein ganzer Anspruch ist nichts ohne die Mitarbeiter, die ihn konsequent mittragen. Nicht nur ich bin wahnsinnig, wir alle sind eine unglaubliche Horde von Irren. Und wir haben es geschafft, uns hier ein Nest zu bauen, in dem jeder seinen Platz gefunden hat und mit hoher Selbstverantwortung seiner Arbeit nachgeht.

Eine Horde von Irren? Wie reagieren die Kunden darauf?

Das mit den Irren ist natürlich überspitzt formuliert. In werbewirksamer Sprache müssten wir wohl Leidenschaft sagen. Die Kunden, die wir haben, reagieren darauf gut. Denn sie haben es bei uns mit Menschen zu tun, die authentisch sind, mit denen sie ein ungezwungenes Verhältnis haben können, mit denen sie Spaß haben können, die aber auch nie vergessen, dass am Ende des Tages ein feines Druckerzeugnis auf dem Tisch liegen muss. Denn letztendlich werden sie daran gemessen. Und Irre hin oder her, wir laufen nicht mit nacktem Hintern durch den
Laden, sondern sind durchaus zivilisierte Leute. Nur ein wenig anders, als man es aus anderen Druckereien gewohnt ist.

Und worauf unsere Kunden auch positiv reagieren: Wir machen uns gerade, wenn wir mal einen Bock schießen. Denn bei allem Geprahle, das ich hier ausschütte, ist es klar, dass auch wir Fehler machen. Für mich stellt sich bei einem Fehler die Frage, wie mit ihm umgegangen wird, ob man bereit ist, die Verantwortung zu übernehmen. Wie ich von Kunden erfahre, scheint es ein beliebtes Spielchen bei Druckereien zu sein, ein fehlerhaftes Werk erst mal auszuliefern, in der Hoffnung, dass der Kunde es nicht merkt. Bei uns bekommt ein Kunde in aller Regel nicht mal mit, dass wir einen Fehler gemacht haben, weil er in der internen Qualitätskontrolle abgefangen und behoben wird. Und wenn wir doch mal selbstverzapften Mist ausliefern, weil einer gepennt hat, dann reicht auch ein kleiner Hinweis, um das Problem zu lösen.

Sie nennen sich „Feindruckerei“. Was soll das sein, wo kommt das Wort her?

Es ist eine eigene Schöpfung. Ehrlicherweise nicht meine, sondern eine unserer Agentur, was mich schon sehr schmerzt. Hintergrund war, dass wir uns mit den üblichen Begrifflichkeiten unserer Branche nicht treffend beschrieben fühlten. Als ich das Wort „Feindruckerei“ hörte, ging ich kurz in mich und dachte dann: Ja verdammt, genau das sind wir. Sauber.

Interessiert Sie mein persönlicher Eindruck?

Mhm.

Es ist sehr naheliegend, Sie als nestbeschmutzendes Großmaul zu bewerten. Sie reißen den Schnabel unglaublich weit auf und erwecken den Eindruck, der Großwesir des Druckhandwerks zu sein.

(Lacht) Der Großwesir des Druckhandwerks. Schön gesagt, das muss ich in mein Repertoire aufnehmen. Vielen Dank.

Ist das Ihre einzige Reaktion darauf?

Ja.

Ich würde mir eine etwas ausführlichere Antwort wünschen.

Gut. Punkt eins: das Großmaul. Was ist wirklich ein Großmaul? Ein Großmaul ist jemand, der einen riesigen Wind macht und dann hinter seinen Ansprüchen zurückbleibt. Was ist jemand, der einen riesigen Wind macht und dann auch noch die Ansprüche erfüllt? Ein Realist?

Zugegebenermaßen ist eine gewisse vorlaute Art charakteristisch für meine Persönlichkeitsstruktur. Dass darin ein hohes Maß an Selbstironie mitschwingt, dürfte einem feinsinnigen Menschen wie Ihnen aber auch hoffentlich auffallen. Ich habe auch festgestellt, dass diese vorlaute Art eine gewaltige Selbstmotivation hervorbringt. Manchmal denke ich auch: „Mann, Hake, was hast du da wieder für einen selbstherrlichen Mist erzählt. Wenn du den Auftrag jetzt versemmelst, stehst Du wie der allerletzte Affe da.” Ich lege durch diese Art ja vor allem für uns die Latte ziemlich hoch und wir stehen dann auch in der Pflicht, diesen Anspruch zu erfüllen. Wenn ich dann vom Kunden angerufen werde – und das passiert nicht selten – und höre „Hake, ihr habt euch ganz schön aus dem Fenster gehängt, was ihr aber ausgeliefert habt, ist mal wieder Weltklasse“, dann lehne ich mich erleichtert zurück und denke: „Ja, so soll es sein.” Das Vorlaute ist bei uns also ein Prinzip – sicherlich ein ungewöhnliches – zur Sicherstellung einer permanenten Konzentration. Und es macht zudem Spaß.

Punkt zwei: der Nestbeschmutzer. Ich klinge tatsächlich manchmal, als wären wir die einzig vernünftige Druckerei im Lande. Das stimmt natürlich nicht, es gibt auch genügend Beispiele, bei denen ich sage „Alle Achtung!”. Aber wir sind – gut für uns, aber traurig für die Branche – eine der wenigen wirklich guten. Wenn ich mich unter Kollegen umschaue, dann regt mich das Gejammere über Rezession und schwere Zeiten auf. Denn denen, die einen guten Job machen, geht es auch gut. Und bei den anderen ist das Elend zumeist selbstverantwortet.

Wie sieht die Zukunft aus?

Keine Ahnung, ich war noch nicht da. Aber ich wünsche mir weiterhin, noch viele Höhepunkte in meinem Handwerk zu erleben.

Vielen Dank für das Gespräch.

Kein Thema.


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gutenberg beuys feindruckerei
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Alles aus Liebe. Auch wenn es brennt. Mit diesem Motto begeben wir uns als Druckerei in Hannover täglich an unsere Arbeit und stellen dabei mit vollem Einsatz feinste Druckerzeugnisse her. Die Liebe zu unserem Beruf ist Grundlage für die Perfektion, mit der wir ihn ausüben. Was wir besonders lieben, ist der Glanz in den Augen unserer Kunden, wenn sie ein frisches Druckwerk in den Händen halten. Und weil wir diesen Glanz auch in Ihren Augen sehen wollen, sollten Sie sich schleunigst mit uns in Verbindung setzen.


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